Kreisgericht informiert: Spielabbrüche keine Kavaliersdelikte

Das Kreisgericht weist aus gegebenen Anlass daraufhin, dass verschuldete Spielabbrüche, aus welchen Gründen auch immer, keine Kavaliersdelikte sind. Im November gab es gleich zwei Abbrüche, dessen Verursacher hart bestraft wurden. Wer einen Spielabbruch verschuldet, muss wissen, dass dies schwerwiegende Maßnahmen für ihn hat.

 

Rechtsgrundlagen:

 

§ 30 Spielordnung (SpO/SHFV) regelt Spielabbrüche mit und ohne Verschulden.

 

Liegen Anzeichen für ein Verschulden vor,  ist das zuständige Gericht einzuschalten.

 

Das Kreisgericht hat in zwei Fällen gemäß § 17 Rechts- und Verfahrensordnung (RVO)

 

über eine Bestrafung und die Spielwertung entschieden.

 

 

 

Das Spiel 040315094 in der Fußball-Kreisklasse B-SW1am 11.11.2017 zwischen FC Burg und Itzehoer SV II wurde nach nicht mal 15 Minuten abgebrochen, weil die Gastmannschaft mit Ausnahme von zwei Spielern ohne Erlaubnis des Schiri den Platz verließ.

 

Sachverhalt:

 

Mit Urteil vom 01.12.2017 wurde der ISV-Trainer wegen unsportlichem Verhalten und Verschulden eines Spielabbruches und auch die Spieler, die mit ihrem Trainer und Spielführer den Platz verließen, jeweils gem. § 13 RVO mit einer satten Geldstrafe belegt.

 

Bereits vor dem Spiel hatten die Itzehoer den Sportplatz für unbespielbar gehalten. Das sah die Burger Platzkommission anders und auch der SR hatte keine Bedenken, dass Spiel anzupfeifen. Ab Spielbeginn monierten Trainer und Spieler mehrfach die Platzverhältnisse und kritisierten vor und nach dem frühen1:0 für Burg einige für sie als nachteilig empfundene SR-Entscheidungen, die mit zwei Gelben Karten in der 10. Minute geahndet wurden. Unmittelbar danach erhielt einer dieser beiden Spieler die GRK für ein Foulspiel. Nach kurzer Diskussion verließen dann der Trainer und die meisten Spieler den Sportplatz, um "die Gesundheit der Spieler zu schützen".

 

Das Verhalten des Spielertrainers, seines Spielführers und der Spieler, die kollektiv den Platz verließen, stellen einen Regelverstoß i. S. der Rechts- und Verfahrensordnung des SHFV dar und ist als grob unsportliches Verhalten zu ahnden, so begründet das KG seine Entscheidung nach Auswertung des SR-Sonderberichts und der vorliegenden Stellungnahmen. Die Stellungnahmen vom  ISV konnten nicht wesentlich zur Entlastung beitragen oder als Entschuldigung für das sportrechtswidrige Verlassen des Platzes anerkannt werden.

 

Mit dem Urteil erfolgte eine tat- und schuldangemessene Bestrafung des ISV-Trainers, dem das KG die Hauptschuld zurechnete sowie der ISV-Spieler, die nahezu geschlossen den Platz verließen, insgesamt dem SR keine Möglichkeit gaben, das Spiel fortzusetzen und somit durch ihr Verhalten schuldhaft den Spielabbruch herbeiführten. Das KG nahm aus Gründen des verschuldeten Spielabbruches eine Spielwertung gem. § 17 RVO i. V. m. der SpO zugunsten der Heimmannschaft vor.

 

Der Spieler, der in der 11. Minute eine GRK sah und danach den SR lautstark kritisierte, wurde für weitere 2 Spieltage gesperrt.

 

 

 

 

 

 

 

Das Spiel 040336089 in der Fußball-Kreisklasse C-MS1am 05.11.2017 zwischen VfL Kellinghusen III und SG SC Itzehoe/Oelixdorf II wurde nach 60 Minuten vom Schiedsrichter abgebrochen, weil er massiv bedroht wurde und keinen anderen Ausweg mehr sah.

 

 

 

Mit Urteil vom 29.11.2017 hat das KG einen mit der GRK des Spielfeldes verwiesenen SG-Spieler wegen grober Unsportlichkeit  und Verschulden eines Spielabbruches gem. § 14 RVO für sämtliche Spiele bis zum 30.06.2018 gesperrt und zusätzlich gem. § 13 RVO mit einer Geldstrafe belegt. Die Tatsache, dass sich der Spieler bisher hat nichts zu Schulden kommen lassen, wirkte sich durchaus strafmildernd aus. Er erhielt die Chance, die Sperrzeit durch Erfüllen einer Bewährungsauflage zu verkürzen.

 

 

 

Sachverhalt:

 

Der SG-Spieler wurde nach einem Foulspiel in der 61. Min. folgerichtig mit einer GRK des Feldes verwiesen. Er war kurz vorher vom SR wegen einer Unsportlichkeit (Ball wegschießen) verwarnt worden. Bereits durch diese Verwarnung fühlte sich der SG-Spieler ebenso ungerecht behandelt wie die bis dahin vom SR nicht geahndeten Fouls gegen ihn, die bereits im Vorfeld des späteren Spielabbruches zu kontroversen Auseinandersetzungen geführt hatten.

 

Das der GRK nachfolgende Verhalten des SG-Spielers, zudem Spielführer seiner Mannschaft, war schuldhaft rechtswidrig und in keiner Weise zu tolerieren. Er hat die Beherrschung verloren. Selbst eigene Spieler konnten ihn kaum davon abhalten, den SR zu beleidigen und zu bedrohen mit   "wir sehen uns wieder",  "umbringen" und "da passiert was". Der SR hatte diese Beschimpfungen als Morddrohung empfunden und, da er subjektiv betrachtet durchaus um sein Leben fürchtete, infolge dieser äußerst bedrohlich wirkenden Atmosphäre das Spiel sofort abgebrochen.

 

Die vom SG-Spieler auf dem Spielfeld und auch nach dem Spielabbruch in bzw. vor der SR-Kabine fortgesetzten Handlungen stellen insgesamt einen Regelverstoß i. S. der Rechts- und Verfahrensordnung des SHFV dar und ist als grob unsportliches Verhalten einzustufen. Unsportlich verhält sich beispielsweise, wer durch Äußerungen oder Handlungen die gebotene sportliche Fairness in respektloser Weise missachtet. Das war hier der Fall und führte zu einem Spielabbruch, den allein der SG-Spieler schuldhaft zu verantworten hatte. Insofern erfolgte durch das KG eine Spielwertung gem. § 17 RVO i. V. m. der SpO zugunsten der Heimmannschaft. Das KG lobte in diesem Zusammenhang besonders den funktionierenden Ordnungsdienst der Gastgeber, der möglicherweise Schlimmeres verhütete.