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Trainer treffen Schiedsrichter - mit überraschendem Ergebnis: "Wir sind doch alle nur Menschen"

Diskutierten ohne Emotionen mit Trainern: Christopher Horn und Oliver Günther
Diskutierten ohne Emotionen mit Trainern: Christopher Horn und Oliver Günther

„Schiedsrichter zu sein ist nicht nur eine Frage der Regelfestigkeit und der Fitness. Ich erachte das persönliche Auftreten vor, während und nach der Begegnung für mindestens genauso wichtig. Jede Begegnung ist ein Charaktertest. Ich lasse gegenüber den Spielern nicht den Boss raushängen sondern versuche, locker und kommunikativ zu bleiben. Aber die Fußballer sollen immer wissen, woran sie bei mir sind."

 

Hätten Schiedsrichter/innen des KFV Westküste schon immer im Geiste dieses Zitates von Catharina Sonne-Ude Spiele geleitet, wäre das Treffen der Trainer und Schiedsrichter des hiesigen Fußballverbandes überflüssig gewesen. So aber nahmen die Mehrzahl der teilnehmenden Trainer das Zitat gerne auf, um auf eine mangelnde konstruktive Kommunikation, ausgehend von den Schiedsrichtern, hinzuweisen. Dabei dürfte das angesprochene Problem nicht nur im KFV Westküste aktuell sein, sondern deutschlandweit herrschen.

 

Das wöchentliche Spektakel auf Bundesebene wird nicht selten kopiert. Spieler, die beim geringsten Kontakt zu Boden gehen. Schiedsrichter, die solche Vergehen pfeifen, weil nur noch nach einem Kontakt gesucht wird. Trainer, die daraufhin durch die Decke gehen. Einfach, weil es inzwischen dazugehört. Wollen wir diesen Fußball auf Kreisebene überhaupt?

 

Viele Themen. Zwei Seiten. Ein Tisch.

 

An diesem Tisch konnte endlich mal ohne große Emotionen gesprochen werden. Wie beschrieben gefällt den Trainern das Auftreten der Schiedsrichter nicht. Emotionale Ausbrüche, die sich eigentlich nur gegen die Sache richten, sollten nicht mit kühler Wortkargheit hinter der Bande enden. Jeder Schiedsrichter ist oder war vermutlich mal Spieler und kennt beide Seiten des Tisches, aber nicht jeder Spieler oder Trainer ist Schiedsrichter und kann somit nicht wissen, wie es ist ein Spiel zu leiten. Verbale Haue von allen Seiten kann dazu führen, dass ein Schiedsrichter der Situation nicht gewachsen ist. Den Schutzmantel, den er sich dann zulegt, wird als Arroganz ausgelegt. Aus Spieler- und Trainersicht auch verständlich.

 

Der Schlüssel für mehr Verständnis: Kommunikation. Ehrlich. Offen. Häufig.

 

Aber es darf auch nicht in Diskussionsrunden enden. Es kann nur einen geben, der entscheidet. Den einen, der auch falsch entscheiden kann. Solch` falsche oder vermutlich falsche Entscheidungen haben Spieler und Trainer auch mal zu ertragen. Kein Schiedsrichter erlaubt sich, Fehlpässe, verlorene Zweikämpfe oder vergebene Torchancen zu kommentieren. Das wäre ja auch noch schöner…!

 

Was brannte noch auf der Seele? Die Einstellung einiger Schiedsrichter. Spieler und Trainer, egal welcher Spielklasse, wollen gewinnen. Am besten unter fairen Bedingungen mit einem Spielleiter, der sich offensichtlich ins Zeug legt.

 

Wenn dann noch gemeinsam nach dem Spiel offen über mögliche Fehler gesprochen wird und gemeinsam mögliche Ursachen erarbeitet und beleuchtet werden – hier sind Fehler von Schiedsrichtern, Trainern und Spielern gemeint – dann ist die Welt doch schon deutlich angenehmer. Immerhin sind wir alle nur Menschen.

 

 

 

Oliver Günther, Christopher Horn